• Audio Insight –

  • Branchenexperten im Interview

  • Die Bedeutung von Audio beim Branding darf nicht unterschätzt werden

Sechs Fagen an Jens Tippenhauer, Geschäftsführender Gesellschafter GALOMA werbung GmbH, zu den Herausforderunen von Audio beim Sound-Branding.

  • Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie für Audiowerbung im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und veränderten Mediennutzung?

Die Ergänzung traditioneller Kanäle durch digitale Plattformen bietet echte Chancen, Reichweiten und Nutzungsdauer von Audio auszubauen. Wer bisher darauf angewiesen war, Radio stationär zu hören, kann den favorisierten Sender nun beinahe zeitlich und räumlich unbegrenzt nutzen. Eine Herausforderung dabei ist die Qualität der Zielgruppensprache. Radiowerbung genießt in Deutschland das höchste Vertrauen. Um diesen Stellenwert zu erhalten, muss Audio auch in digitalen Medien anspruchsvoll klingen. Dies bedeutet, dass die Branche sich von der nach wie vor praktizierten „Marktschreierei“ verabschieden muss. Als „Macher“ müssen wir unseren Kunden klar seriöse Wege vorgeben.

  • Welche Unternehmen beraten Sie zum Thema Sound/Audio? Gibt es eine Tendenz (Branche/Größe/Anliegen)? Mit welchen Wünschen und Vorstellungen kommen die Unternehmen auf Sie zu?

Es gibt keine Branche, in die wir unsere Nase noch nicht stecken durften: Vom lokal agierenden Maßschneider bis zur weltumspannenden Airline sind alle dabei. Auffällig ist, dass Unternehmen mit Tradition viel Wert auf akustische Alleinstellung legen und sich intensiv in die Kreation einbringen. Bei diesen Kunden erleben wir es nicht selten, dass sie bei der Produktion anwesend sind und den direkten Kontakt zu Sprechern wünschen.

  • Welche Bedeutung hat Audio beim Branding? Und was macht ein gutes Sound-Branding aus?

Hören ist unser erster Sinn. Bereits im embryonalen Zustand entsteht eine Vertrautheit zu akustischen Merkmalen wie Stimmen und Musik. Wir kommen entsprechend konditioniert zur Welt, mittels Audio Vertrauen zu entwickeln. Daher darf die Bedeutung von Audio beim Branding keinesfalls unterschätzt werden.

  • Wie schafft man es, unter den vielen anderen Spots, Sounds und Jingles positiv aufzufallen und im Gedächtnis zu bleiben?

Die Möglichkeiten, sich von anderen Spots abzugrenzen, sind vielfältig. Zunächst müssen wir berücksichtigen, dass die Rezipienten nicht auf unsere Message warten und mit den Gedanken in einer anderen Umgebung sind. Dort müssen wir sie abholen. Das gelingt mit dem Holzhammer, der jedoch zur Folge hat, dass wir uns unbeliebt machen. Je positiver ein Jingle klingt, desto wirksamer wird er wahrgenommen. Doch auch eine gute Story greift. Besinnen wir uns auch hier auf unsere Kindheit, werden wir schnell fündig: Gut gemachte Hörspiele haben uns in ihren Bann gezogen. Auch als Erwachsene reagieren wir noch auf gutes Storytelling. Die Kunst besteht darin, die Hörer in den ersten 3 bis 5 Sekunden aus ihrer Gedankenwelt zu lösen, sie in eine kurze Geschichte zu entführen und den Bogen so zu spannen, dass ein Interesse am Absender entsteht.

  • Welche Beispiele für gute Spots und Sound-Brandings gibt es aktuell?

Nach wie vor ist das Audiologo der Telekom unangefochten. Es benötigt keinerlei Sprache. Die alleinige Wahrnehmung aus der Ferne reicht aus, um den Absender zu erkennen. Als markant darf der IKEA-Sound bezeichnet werden. Sowohl musikalisch, als auch stimmlich ist man hier von der ersten Sekunde bei IKEA. Unter der Vielzahl von Discountern liefert derzeit Lidl eine gelungene Performance. Nachdem dort einige Zeit experimentiert wurde, hat sich der Sound von Lidl mittlerweile aus dem Akustikbrei der Discounter an die Oberfläche der Wahrnehmung geschwommen.

  • Wie schätzen Sie die Zukunft von Audio ein? Welche Veränderungen und Entwicklungen beschäftigen Sie am meisten?

Audio wird die Zukunft bestimmen. Podcast wird den gedruckten Artikel ablösen. Siri, Alexa und Co. werden uns das Lesen der Suchergebnisse abnehmen. Im Gegensatz zum Auge hat das Ohr 24/7 geöffnet und dieser Umstand wird Audio künftig weiter stärken.

Mein Augenmerk liegt auf der Entwicklung automatisierter Prozesse in der Kreation von Audio. Besonders beschäftigt mich dabei die Sorge um die Zukunft individuell gestalteter Konzepte.