• Interview

Das etablierte Massenmedium Radio hat sich durch die Digitalisierung und die Verbreitung mobiler Endgeräte entschieden gewandelt: Aus Radio ist Audio geworden. Welche Möglichkeiten diese Entwicklung für Werbetreibende mit sich bringt, erzählt Bernhard Bahners, Geschäftsführer von radio.de, im Interview.

  • Was bietet radio.de seinen Nutzern, was sie über das traditionelle Radio nicht auch bekommen könnten?

Zunächst ist fast alles, was man über UKW-Radio empfangen kann, auch im Internetradio zu hören. Neben den Online-Streams bekannter UKW-Stationen finden Interessierte bei radio.de aber zusätzlich rein internetbasierte Sender. Anders als im klassischen UKW-Radio gibt es unzählige Formate und Musikrichtungen, die bedient werden. Webradios widmen sich häufig einem bestimmten Genrebereich und bauen für genau diese Musikrichtungen eine besondere Kompetenz auf. Hier gestalten dann Musikliebhaber das Musikprogramm, das sich dann auch sehr von den aktuellen Charts unterscheiden kann

Nach einer kurzen Registrierung bei radio.de lassen sich die zuletzt gehörten Sender leicht wiederfinden und können als Favoriten abgespeichert werden. Ich vergleiche diese Funktion gern mit den im Autoradio abgespeicherten Sendern – durch einen Klick sind sie ganz bequem erreichbar. Zu jeder Zeit und an jedem Ort, also sowohl in der Dockingstation als auch über die radio.de-App.

Von daher, um die Frage zu beantworten, würde ich sagen: Wir verbinden das Beste aus beiden Welten - die klassischen Radiosender mit den onlinebasierten Sendern und einem einfachen und unkomplizierten Zugang zum Radio.

  • Wie entwickelt sich die Radioszene aus Ihrer Sicht? Entdecken Hörer die Spartenradios für sich oder folgen sie eher dem Massengeschmack über Radio Energy und Co?

Wir beobachten, dass sich das Webradio in den letzen Jahren als Alternative zum Mainstream-Radio immer größerer Beliebtheit erfreut. Die Idee echter Spartenradios ist für viele Radiohörer noch neu, das ist ein sich entwickelnder Prozess.

Wir haben auf unserer Plattform allerdings auch die Entwicklung verfolgt, dass bekannte Mainstream-Sender in den letzten Jahren erfolgreicher geworden sind. Das liegt vor allem daran, dass durch Smartphone-Apps Webradio nicht mehr nur für besondere Inhalte steht, sondern auch ganz einfach als praktischer Übertragungsweg gesehen wird.

Die Early-Adopter suchten zunächst alternative Programme, jetzt suchen Nutzer einfach ihre Lieblingssender und interessante Spartenprogramme. Letztendlich entscheidet die Qualität, mit der die Programme gemacht werden, welche Programme gehört werden.

  • Welche Bedeutung hat die mobile Mediennutzung für radio.de?

Mobile Endgeräte sind der Wachstumstreiber unserer Plattform, allerdings verschwimmen zusehends die Grenzen. Viele Nutzer berichten uns davon, dass unsere Apps im Zusammenspiel mit Dockingstations das Küchenradio ablösen – die Apps werden also nicht nur unterwegs sondern auch zuhause genutzt. Als „One-Feature-Product“ macht radio.de aus jedem Webbrowser und Smartphone ein Radiogerät für den Empfang weltweiter Radioprogramme über das Internet.

Ein weiterer Treiber der mobilen Nutzung ist die direkte Integrationen in Car-Entertainment-Systeme (z.B. AUDI Connect) oder in Haus-Steuerungssysteme. Überall dort, wo sich Nutzer einen einfachen Zugang zu Radioprogrammen wünschen.

  • Musik-Streaming-Dienste wie Spotify erfreuen sich aktuell größter Beliebtheit– wie geht es radio.de mit dieser Konkurrenz?

Wir sehen in Spotify keine Konkurrenz sondern einen auch durch diesen Anbieter wachsenden Markt. Mit starkem Rückenwind werden wir den Audiomarkt gemeinsam weiter entwickeln. Zudem bieten die beiden Online-Audiodienste den Nutzern zwei völlig unterschiedliche Angebote: Während Spotify als reiner Musik-Streaming-Dienst den Lean-In-Ansatz verfolgt und entsprechend mehr Aktivität vom Nutzer fordert, bietet radio.de den Nutzern mit dem bequemen Lean-Back-Ansatz die Vorteile, die er vom Radio hören her kennt. Bei radio.de steht neben der Musik auch Information und Entertainment im Fokus der Nutzer. Sie können sich zurücklehnen und einfach genießen, wie bei klassischen Sendern auch.

  • Und wie hoch ist die Attraktivität der Internetradios für Werbekunden?

Das Internet eröffnet ganz neue Optionen der Radionutzung durch die Hörer, aber auch neue Vermarktungsmöglichkeiten durch Webradio. Zwar kommen die Reichweiten des Webradios noch nicht an die UKW-Reichweiten heran - dafür haben diejenigen Werbekunden, die Internetradio als Kanal nutzen, geringere Streuverlusten. Es gibt sehr genaue Messungen darüber, wie viele Hörer über die Werbung erreicht werden, oftmals ist auch eine viel genaure Zielgruppen-Zuordnung durch exakt zugeschnittenes Targeting möglich. Crossmediale Werbeformen wie zum Beispiel Bannerwerbung ergänzen die Video- und Audioads.

  • Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich der Webradiomarkt entwickeln?

So, wie es derzeit aussieht, werden die Nutzerzahlen weiter wachsen. Webradio wird ein alltäglich genutztes Medium werden. Der Webradiomarkt muss es allerdings noch schaffen, gemeinsame Messwerte und Währungen zu etablieren, die es für die Werbewirtschaft leichter machen, den Markt richtig einschätzen zu können und entsprechend als Werbekanal zu nutzen. Denn, wie schon erwähnt: Der Werbekanal Webradio hat viele Stärken gegenüber dem klassischen Radiomarkt.