• Audio Insight –

  • Branchenexperten im Interview

  • Die Zukunft des Marketing liegt in der sprachlichen Interaktion

Andreas Bahr, Vorstand Fluent AG, erläutert im Interview, welche Chancen sich für Audio mit voranschreitender Digitalisierung ergeben und warum sich Marketing zu einer personalisierten und echten Dialogstrategie entwickeln muss.

  • Welche Rolle spielt Radio im Mediamix vor dem Hintergrund der voranschreitenden Digitalisierung?

Hier kommt es auf die zeitliche Betrachtung an. Aktuell, aufgrund der noch mangelnden digitalen Reichweiten, nutzen wir Radio im Mediamix vor allem als Push-Medium – zur Aktivierung insbesondere im Bereich der Vertriebs- und Abverkaufskommunikation. Die digitale Verlängerung ist dabei vorrangig nur Ergänzung und Kontaktstreckenoptimierung. Das zukünftige Potenzial liegt aber in der weiteren Digitalisierung von Radio und deren werblichen Nutzung, insbesondere, wenn wir fundierte Targeting-Möglichkeiten bekommen. Die Chancen und Herausforderungen werden dabei sein, von einer reinen Push-Strategie hin zu einer echten Dialogstrategie zu wechseln. 

  • Wie beeinflussen Audioinnovationen die werbliche Kommunikation und Interaktion?

Durch die weiteren Innovationen und die einhergehenden Möglichkeiten der One-to-One-Kommunikation werden wir noch stärker zur Individualisierung und Überprüfbarkeit der Maßnahmen kommen – bis hin zu einer Individualisierung der Kreation mit persönlicher Ansprache. Voraussetzung für den Erfolg wird jedoch sein, dass wir spannende, unterhaltende Botschaften und/oder interessanten Content anbieten. Technik alleine wird nicht reichen.

  • Wie schätzen Sie das Potenzial von Sprachassistenten im Marketing ein?

Die Zukunft des Marketings liegt sicher nicht in der Aufforderung zum Tippen auf Displays, sondern in der sprachlichen Interaktion. Heute sind bereits 10 % aller Suchanfragen über Sprache. In einigen Jahren werden

Suchanfragen über Sprache mengenmäßig sicherlich das gleiche Niveau wie getippte Suchanfragen haben. Daher gilt es, rechtzeitig entsprechende Skills als Marke aufzubauen, um Themen und Schlagwörter für sich besetzen zu können und sich vom Wettbewerb abzugrenzen. Wichtig ist dabei nur, damit das Ganze nicht nur ein Gimmick ist, an die umgesetzten Aktivitäten die gleichen professionellen Ansprüche zu stellen wie an andere Marketing-maßnahmen auch. Darüber hinaus sind wir hier im ersten Schritt sicher erstmal im Bereich der Service- oder Conveniencethemen, als gleich im Bereich von direkten Marketing- oder Mediathemen.

Im Audiobereich sehe ich dabei zunächst vor allem die Möglichkeiten im Einsatz von Chatbots und ihrer konzeptionellen und kreativen Nutzung. Hier kann es zum Beispiel eine direkte Weiterleitung zu Dienstleistungen und/oder Produkten geben und damit können entsprechende Leads generiert werden.

  • Wie muss sich Audiowerbung Ihrer Meinung nach in Zukunft entwickeln?

Bei aller Liebe und professioneller Leidenschaft für das Thema Media steht bei dieser Frage auch ganz stark das Thema Kreation im Fokus. Wir dürfen den Menschen mit unserer Werbung nicht auf die Nerven gehen, sondern müssen sie informieren und unterhalten. Das heißt, die Qualität der Kreation wird – medienadäquat realisiert – ebenfalls eine zentrale Rolle für erfolgreiche Werbung spielen. Einhergehend damit müssen wir den Menschen stärker als bisher die Möglichkeit bieten, mit Produkten und Marken/Unternehmen in die direkte Interaktion gehen zu können.

  • Data oder Kreation – welcher Aspekt beeinflusst die Marketingstrategie künftig stärker?

Das kann man so pauschal nicht beantworten und muss immer im Kontext der Zielstellung von Kunden gesehen werden. Grundsätzlich bin ich jedoch davon überzeugt, dass die Fragestellung eine andere sein müsste: Wie schaffen wir es, vorhandene Daten und Algorithmen so optimal mit der Kreation zu verknüpfen, dass sich die Bereiche gegenseitig optimal befruchten und zum besten und sinnvollsten Ergebnis führen? Und bei aller Euphorie sollte man dabei eine Sache nicht vergessen: Wir stecken heute vielfach noch in den Anfängen und aktuell schlägt „Brain“ und gute Kreation die verfügbaren Algorithmen oftmals noch um Längen und nicht umgekehrt.