• Audio Insight –

  • Branchenexperten im Interview

  • Radio als gleichberechtigter Kampagnenbaustein

Sind kreative Spots auch wirksamere Spots? Und was zeichnet gut gestaltete Spots aus? Im Kurzinterview erläutert Christian Meyer, Creative Director bei Kolle Rebbe, worauf es bei der Kreation von Radiospots ankommt und wie Audio einen Mediaplan entscheidend bereichern kann. 

  • Welche besonderen Gestaltungsmöglichkeiten bietet Radio und was ist wichtig bei der Kreation eines Radiospots, um die Potentiale von Radio voll ausschöpfen zu können?

Grundsätzlich gilt für Radiospots dasselbe wie für jedes andere Medium: Langeweile verboten, Humor erlaubt. Und die Reduktion auf eine einzige Botschaft trägt zur Hörbarkeit ebenfalls maßgeblich bei.
Neben diesen goldenen Regeln sollte man nicht vergessen: Radio ist das „Ohren-Medium“, hier lassen sich zusätzlich starke akustische Reize setzen. Also kann man es ruhig knuspern, knacken und genießerisch seufzen lassen, zumindest im Food-Bereich.
Aber das sind die Basics. Wirklich ausgereizt wird ein Funkspot erst dann, wenn er eine Geschichte erzählt, die dich von der ersten Sekunde an packt und bis zur Produkt- oder Markenbotschaft am Ende mit durchschleift. So eine „Geschichte“ muss auch gar nicht episch sein. Ein schlauer, zackiger Dialog oder das Heraufbeschwören einer ungewöhnlichen Szenerie vor dem inneren Auge zählen genauso dazu.
Und sonst? Kann die richtige Musik eine entscheidende Rolle spielen. Und bislang ungehörte Sprecher machen auch oft den Unterschied.

  • Was kann ein gut gestalteter Radiospot im Mediamix leisten? Leistet er mehr als durchschnittliche Spots?

Klares Ja. Ein exzellent produzierter, schlau gedachter, ungewöhnlich daherkommender Funki wird immer einen größeren Impact haben als ein durchschnittlicher Spot. Denn der Durchschnitt ist, wenn man in die Werbeblöcke reinhört, kreativ gesehen sowieso schon eher unterdurchschnittlich.
Mit ein bisschen Leidenschaft fürs Medium Radio auf Agentur- und Kundenseite sorgt man so sehr schnell für ein beschwingtes Lächeln bei den Zuhörern. Und gut gelaunt sitzt die Geldbörse bekanntlich viel lockerer.

  • Was wäre für Sie der optimale Entwicklungsprozess einer Radiokampagne? Wann und wie sollte Radio optimalerweise bei der Gesamtstrategie-Entwicklung involviert werden?

Funk wird ja oft eher als Wurmfortsatz einer Kampagne behandelt. Dementsprechend spät prüfen die Beteiligten, ob die entwickelte Kampagnenbotschaft überhaupt radiotauglich ist.
Schöner ist daher, wenn man Funk von Anfang an als gleichberechtigten Kampagnenbaustein betrachtet. Klappt nicht immer. Kann man aber ruhig öfter mal versuchen. Manchmal entstehen große Kampagnen nämlich auch bei der Suche nach einem tollen Funkspot.
Ansonsten wünscht sich ein Kreativer – neben einem klaren Briefing – vor allem ein realistisches Timing, also die nötige Zeit, um Leidenschaft in die Skriptentwicklung zu stecken. Radiospots mit Hand, Fuß und Köpfchen schreiben sich nun mal – meistens – nicht über Nacht.
Auch absolut empfehlenswert: Funkskripte sollten nicht schnöde per Mail abgestimmt werden. Vortanzen muss drin sein, wenigstens telefonisch. Denn wie Stefan Kolle immer warnt: Verschickte Ware geht zu 80 % kaputt.

  • Welche drei Handlungsempfehlungen haben Sie für einen erfolgreichen Radioeinsatz?

Damit liegt man immer richtig:

  1. auf ein klares Briefing einigen
  2. das Medium ausreizen
  3. exzellent produzieren

Und darüber hinaus an der richtigen Stelle Mut beweisen und auch mal vermeintlich verwegeneren Skripten eine Chance geben.