• Audio Insight –

  • Branchenexperten im Interview

  • Die Zukunft von Audio liegt in dynamischen Formaten

Philipp Feit, Compositor und Sound Designer bei German Wahnsinn, nimmt Stellung zu den Herausforderungen des auditiven Storytellings und skizziert, und wie der Audio Content der Zukunft gestaltet ist.

  • Ihr arbeitet an vielen unterschiedlichen Audioformaten. Was macht die Gattung für euch spannend?

Jeder von uns hat seine ganz eigene Geschichte, warum er sich für eine Musik- bzw. Audio-Laufbahn entschieden hat. Mein Vater ist Professor der Musik, meine Kindheit hätte akustischer nicht sein können. Hinzu kam mein Interesse an Marken und deren Geschichten. Andere von uns haben als Geräusche-Macher begonnen, andere als Musikproduzenten für bekannte Künstler gearbeitet, gelernte Regisseure für Hörbücher, etc. Was uns aber alle vereint, ist das Verständnis, dass Audio, wie kein anderes Medium die Fantasie der Menschen anregt. Es kann unmittelbar Emotionen hervorrufen. 

  • Weshalb ist Audio wichtig für die Werbebranche?

Einer der größten Storyteller unserer Zeit, George Lucas, hat gesagt, dass für ihn 50% eines Filmes Musik und Sound ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass, wenn wir im Marketing über Storytelling sprechen, Audio eine besondere Aufmerksamkeit gebührt. Denn Audio kann uns innerhalb von Millisekunden in einen emotionalen Erdrutsch katapultieren – ob Musik, die einen zum Weinen bringt, Sounddesign, das einem vor Angst die Nackenhaare aufstellt oder die Stimmfarbe eines Sprechers, die einen noch mal Kind sein lässt. 

  • Und worauf kommt es bei Audiowerbung an? Wie hören sich eurer Meinung nach gute Werbespots an?

Man muss erst einmal zwischen reiner Audiokommunikation und audiovisuellen Formaten, wie TV-Spots oder Online-Kommunikation unterscheiden. Audiowerbung folgt ganz besonderen Regeln, da hier Audio allein, meist in kurzen Formaten, Geschichten erzählen muss. Audiovisuelle Inhalte hingegen müssen Hand in Hand gehen. Musik und Sounddesign kann einen guten Film noch ein bisschen besser machen. Oder wesentlich schlechter. Für alle Formate – ob TV-Spot, Audiospot oder interaktive Anwendungen – aber gilt: Das Handwerk muss perfekt umgesetzt sein. Denn die Ohren der Zuschauer sind extrem gut geschult – dank Audible, Spotify, Deezer, Netflix, Hollywood und Co. 

  • Ergeben sich durch Audio-Innovationen wie Sprachassistenten und Dynamic Creative Spots neue Möglichkeiten?

Absolut. Hier profitieren wir sehr davon, dass wir uns seit Gründung nie als reines Dienstleistungs-Tonstudio verstanden haben und schon immer in experimentelle Projekte investiert haben. Mittlerweile ist über die Hälfte unseres Engagements keine klassische Werbung mehr. Auch aus diesem Grund haben wir entschieden, eine Unit für Digital Audio zu gründen. Neue Technologien wie zum Beispiel VR, AR und Conversational Interfaces bedürfen neuer Arbeitsweisen, neuer Werkzeuge und damit auch neuen Fähigkeiten. 

  • Wie sieht der Audio Content der Zukunft aus?

Dynamische Audioformate werden sich immer mehr durchsetzen. Egal ob in immersiven Umfeldern oder auch in gängigen audio-relevanten Kanälen. In dem Moment, wo sich Botschaften dynamisch verändern sollen, wird dies auch zwangsläufig auditiv passieren müssen. Ein Banner, das sich auf die Realität des Users anpasst, kommt meistens ohne Audio aus – bei programmatischem Online-Video sieht es dann aber schon anders aus. 

Und bei interaktiven Anwendungen ist es noch klarer. Hier gehen immer mehr weg von starren Medien oder Klängen. Mittlerweile verschmilzt alles – Audio, Musik, Sprache und Sounddesign. Weg von vorinszenierten linearen Tonspuren hin zu dynamischer Audio-Realität.